We Are Social’s Tuesday Tune-up #49

Mashup
veronika.reichherzer

Guten Tag, mein Name ist vielleicht auch Hase

Bereits seit fünf Jahren wird darüber diskutiert, wie zukünftige Entwicklungen der digitalen Welt bezeichnet werden sollen. Während im Jahr 2007 Web 2.0 einer der meistgenannten Begriffe in der Berichterstattung über neue Startups, Onlinedienste und Trends im Netz war, folgte im Jahr 2009/2010 eine Trendwende. Bei der google Suche erzielte in diesen Jahren Social Media die meisten Ergebnisse. Vor allem Werber und Marketing-Fachleute sprachen eher von Social Media als von Web 2.0. Wobei sich konzeptuell gesehen außer einer größeren Reichweite und einer größeren funktionellen Vielseitigkeit eher wenig veränderte.

Seit Anfang 2012 ist jedoch auch diese Bezeichnung wieder seltener geworden, der Social Media Diskurs am abflauen. Grund dafür mag laut netzwertig der im Laufe der Zeit geringer gewordene Neuigkeitswert sein. Das Thema scheint weitestgehend erschöpft. Dagegen gibt es Stimmen wie der Autor Dan Rowinski, die die nächste Phase der digitalen Evolution als mobiles Web oder auch Web 3.0 titulieren. Hier wird die klassische Website erheblich an Bedeutung verlieren durch die Möglichkeit der mobilen Nutzung und andere Einsatzszenarien. Was letztlich eine radikale Veränderung im Vergleich zum desktopbasierten Internet zur Folge hat.

Ein weiterer Trend 2012 ist das so genannte Internet der Dinge, was bedeutet dass immer mehr elektronische Apparate Internetzugang haben werden und im Jahr 2020 laut einer Ericsson Schätzung rund 50 Milliarden mit dem Netz verbundene Geräte existieren werden. Aber egal ob Web 3.0, Internet der Dinge oder mobiles Web, ohne Zweifel ist dass dies alles nachdrücklich unsere Perspektiven auf die vernetzte Welt beeinflussen wird.

Facebook hat Testphase der Sponsored Results gestartet

Mit diesem Anzeigenformat können Unternehmen eine Anzeige schalten und dabei als Targeting Parameter den Place oder die Page eines konkurrierenden Unternehmen angeben.  Wenn ein User nach diesem konkurrierenden Unternehmen sucht, wird automatisch auch das über dieses Format werbetreibende Unternehmen angezeigt. Neben einer Facebook Page kann die Anzeige auch für andere Objekte auf Facebook geschaltet werden, z.B. eine Facebook App oder ein Facebook Post. Gezahlt wird die neue Werbeform nicht nach TKP sondern nur auf CPC Basis.

Die Sponsored Results sollen vorerst nur in den Ergebnissen unterhalb der Suchbox angezeigt werden, und nicht auf der Seite der Suchergebnisse. Bisher wurden alle Suchergebnisse anhand des EdgeRank sortiert. D.h. Anwendungen und Pages, die laut Facebook für den User wichtig sind, wurden weiter oben angezeigt. Mit diesem Format wäre es jetzt erstmals möglich, eine Art von Suchmaschinen-Marketing in Facebook zu betreiben, und sich einen Platz in den Suchergebnissen zu kaufen. So würde diese Anzeigenform auch einen Paradigmenwechsel bei der Facebook-Suche bedeuten.

Der größte Traffic auf Facebook wird über das Netzwerk selbst generiert

Wie jetzt veröffentlich wurde hat das Unternehmen PageLever ein Jahr lang 500 Facebookseiten mit jeweils mehr als 100.000 Fans analysiert und kam zu dem Ergebnis, dass durchschnittlich 7,56 Prozent externer Traffic ist. Die Auffälligkeiten des Graphen stellen laut Widman eine Ausnahme dar.

Diese Information können für Seitenbetreiber sehr hilfreich sein zur Optimierung ihrer Website und damit zu mehr page views. Eine Auflistung der externen Seiten kann über das Facebook Insight Dashboard aufgerufen werden. Im Falle eines höheren Traffics von außerhalb rät Jeff Widman, einer der Gründer von PageLever, Profilfoto und Posts auf potentielle Besucher auszurichten.

Socialcam und Viddy: das Instagram für Videos?

Die beiden US-amerikanischen Video-Sharing-Apps verzeichneten in diesem Jahr eine signifikante Steigerung ihrer Mitgliederzahlen. Trotzdem oder gerade deshalb verkaufte das Gründerteam des Startups Socialcam das Unternehmen für 60 Millionen Dollar an den Softwaregiganten Autodesk. An der App bemängelt wird im Netz vor allem der fehlende Mehrwert für die Nutzer. Während Instagram mit lauteren Methoden Viralität schafft, nutzt Socialcam aggressivere Wege zur Erreichung seiner Ziele.

Der Socialcam-Gründer Michael Seibel führt den im Vergleich mit Instagram immer noch recht schwachen Erfolg vor allem auf den Mainstream-Charakter von Fotos zurück: Videos aufzuzeichnen sei einfach immer noch nicht mainstream genug. Dagegen spricht Mark Hall, Mitbegründer des Video-Aggregators Showyou in seinem Blog von Fotos als eine Art visuelle Status Updates. Wohingegen Videos aufgrund der Länge und der aufwändigen Produktion dafür eher ungeeignet sind.  Man muss sich vielleicht auch von der Vorstellung verabschieden, man könne Fotos und Videos miteinander vergleichen und für den gleichen Zweck nutzen.

Socialcam wird wohl trotzdem in Zukunft weiterentwickelt werden, das zeigt die Entwicklung im Sektor: Konkurrent Viddy beispielsweise sammelte im Mai 30 Millionen Dollar Venture Capital ein, und mit Vyclone betritt gerade eine spannende neue Video-App für iOS die Bildfläche, die zeitgleich aufgenommene Clips verschiedener Personen automatisch in ein Video verwandelt.

Youtube macht Ernst

Müssen ab jetzt alle You Tube User ihren Account unter Klarnamen betreiben? Als Willkommensgruß werden diese derzeit über ein Popup dazu aufgefordert, ihren Account auf den Klarnamen umzustellen. Bei Ablehnung wird der Account zwar nicht gelöscht, jedoch ist die Möglichkeit zu kommentieren eingeschränkt. Sicherlich soll diese Maßnahme dazu dienen, die Hemmschwelle für die Abgabe beleidigender Kommentare zu vergrößern.

Jedoch stießen vorangegangene Versuche, dieses Vorhaben durchzusetzen auf wenig Gegenliebe seitens der User. Wie schon oft diskutiert, hat die Anonymität im Netz schließlich vielerlei Vorteile, vor allem der Schutz der Privatsphäre steht hier an vorderster Stelle. In extremen Fällen ist die Anonymität sogar unbedingt notwendig, und zwar wenn es um politische Aktivisten geht oder um Opfer von Verbrechen, die ihre Identität schützen wollen.

Auch für Kranke oder Menschen mit besonderer sexueller Ausrichtung sind Pseudonyme von großer Bedeutung. Dementsprechend ist der Aufschrei, wenn es darum geht, Klarnamen einzuführen jedes mal groß. Aber ist die Angst davor vielleicht nicht doch übertrieben?  In anderen Ländern wird längst viel rigoroser die Identität der Onlinebevölkerung kontrolliert, beispielsweise indem man sich vor dem Aufenthalt in einem Internet Cafe ausweisen muss. Wir sind jedenfalls froh, dass uns solche Methoden in Mitteleuropa erst mal erspart bleiben.