Seit fast acht Wochen sind wir nun im Homeoffice. Zeit für eine Bilanz von unserem Leadership Team. Drei Fragen, vier Entscheider, 12 Antworten. Ruben van Eijk (Executive Creative Director), Sanja Dimitrijevic (Group Account Director), Kathrin Friedrich (Creative Director Editorial) und Florian Bracht (Research & Insight Director). Und wir entdecken Gemeinsamkeiten. 

1. Was sind die Top 3 Key Learnings auf dieser verlängerten Home Office Periode aus einer Führungsperspektive?  

Kathrin: 

  • In Krisenzeiten hält das Team besonders zusammen, unterstützt sich gegenseitig und kommuniziert sehr viel untereinander, um sich gegenseitig upzudaten (fast mehr als im Office).
  • Die Stärken & Schwächen der einzelnen Team-Mitglieder treten klarer zutage, gerade wenn es um das Thema Proaktivität / selbstständiges Arbeiten geht. Hilft mir als Führungskraft aber sehr, die Personen einzuschätzen und sie in dieser Hinsicht zu coachen / unterstützen, wo Hilfe benötigt wird.
  • Dadurch, dass es weniger "Ablenkungen" durch andere Kollegen im Umfeld gibt, ist das Arbeiten oft effizienter und Projekte werden schneller abgeschlossen. Insgesamt bin ich sehr positiv überrascht, wie gut die Zusammenarbeit im HO klappt und wie sehr die Bereitschaft der Mitarbeiter da ist, die Extra Meile zu gehen - zumindest in meinem Team. 

Ruben:

  • Krankheits- und Abwesenheitsquote sinkt praktisch auf null, was sich in einer höheren Produktivität widerspiegelt.  
  • Abgesehen von Meetings können die Menschen selbst entscheiden, wie und wann sie ihre Energie einsetzen, was zu einem besseren Input/Output-Verhältnis führt, sowohl in Bezug auf die Qualität als auch auf das Volumen.
  • Der Lockdown ermöglicht die Identifizierung von Persönlichkeiten, wie und wann sie gedeihen oder sich zurückziehen; was genutzt werden kann, um eine auf Menschen basierende Kultur jetzt, aber auch zu einem späteren Zeitpunkt, effektiver aufrechtzuerhalten. 

Sanja: 

  • Man muss Menschen ermutigen und sie mit viel Vertrauen unterstützen. Alle tun ihr Bestes und gehen wirklich noch einen Schritt weiter, und ich bin hier, um ihnen "den Rücken zu stärken" und ihnen dabei zu helfen, weiterhin eine großartige Arbeit zu leisten.
  • Einfühlungsvermögen ist der Schlüssel. Es wird sehr geschätzt wenn man versteht, was andere Menschen unter den gegebenen Umständen durchmachen.
  • Kommunikation - kürzere "Check-in"-Anrufe und/oder E-Mails, um den Überblick über das Geschehen zu behalten. Offen und transparent zu bleiben, Fragen zu beantworten und Schmerzpunkte anzusprechen. Auch hier ist es wichtig, die Teammitglieder wissen zu lassen, dass sie tolle Arbeit leisten, und dass sie damit nicht allein sind.

Florian:

  • Als Führungsperson muss man mit gutem Beispiel vorangehen, um ein Vorbild zu sein und auch um seinem Team eine Richtung zu geben. Das betrifft zum einen der Umgang mit der unsicheren Informationslage, zum anderen aber auch die Qualität der Arbeit.
  • Die unvollständige Informationslage führt dazu, dass manche Entscheidungen schnell getroffen werden müssen. Als Führungsperson muss man daher bereit sein schnell und entschlossen zu handeln und dabei alles transparent dem Team mitzuteilen, warum und wie Entscheidungen getroffen wurden.
  • Ich kann meinem Team absolut vertrauen und ihnen viel mehr zutrauen. Tatsächlich ist der Austausch aktuell intensiver denn je.

Von links nach rechts:
Ruben van Eijk (Executive Creative Director), Kathrin Friedrich (Creative Director Editorial), Florian Bracht (Research & Insight Director), Sanja Dimitrijevic (Group Account Director),

2. Wie schaffst du es, das Team motiviert und informiert zu halten? Wie gehst du mit Stress deiner Teammitglieder um? 

Kathrin: 

  • Durch zahlreiche moderne Kommunikationsmittel ist das nicht schwer. Lieber einmal mehr ein Hangout eingestellt als zu wenig. Und bevor man sich in ewigen Chats ergeht, lieber einmal mehr miteinander gesprochen. Durch "Teamevents" wie unsere Covid-Huddles mit einer immer neue Fragestellung, verliert man nicht den sozialen Kontakt zum Team, sieht sich auch und kann gut einschätzen, wie es den anderen geht. Da ich sowieso regelmäßige Check-Ins mit meinen Team-Mitgliedern habe, bekomme ich ganz gut mit, ob es jemand gut oder nicht so gut geht und kann dann entsprechend handeln und das Gespräch suchen, falls notwendig.

Ruben:

  • Geplante und ungeplante Check-Ins: '”Wie geht es dir und wie kann ich helfen?”. 
  • Schaffen eines “Peer-Pulse”-Ökosystems: nicht nur von oben nach unten, sondern auch und vor allem von denjenigen, die sich beruflich und persönlich nahestehen. 
  • Im Notfall zeigen, dass man verfügbar ist, dass man ansprechbar ist. Aufmerksamkeit schenken und nachfragen. Ein offenes Gespräch schaffen, pflegen und noch mehr fragen. Besprochenes sollte dokumentiert und Follow-up Meetings eingestellt werden.

Sanja: 

  • Motivation entsteht durch regelmäßige Kommunikation: wir reden, wir sind offen, und wir teilen Dinge - nicht nur arbeitsbezogen.
  • Ich finde Online-Gespräche (Quiz, Mittagstermine, Chats) sehr nützlich. Nicht jeder will mitmachen, aber den Leuten die Möglichkeit zu geben, Kontakte zu knüpfen (wann und mit wem sie es wollen) - ist eine großartige Gelegenheit.
  • Diese Zeit ist eine Herausforderung für Menschen und Unternehmen, daher ist Kommunikation der Kern. Wir müssen in der Lage sein, frei zu sprechen und zu wissen, dass wir gehört werden. Das Gefühl der Zugehörigkeit hilft den Menschen, Stresssituationen zu überwinden, und dies ist nur ein weiteres Beispiel.
  • Einfühlungsvermögen und Offenheit, Verständnis für die individuellen Umstände und die Art und Weise, wie jeder Einzelne damit zurechtkommt... und der Versuch, zu unterstützen, ohne dabei in Vergessenheit zu geraten.

Florian:

  • Wir haben regelmäßige Check-Ins und versuchen in diesen auch nicht nur über die Arbeit zu sprechen. Ich habe in jedem Team-Meeting eine neue Feedback Variante (5 Finger-Feedback, Deine Woche in einem Satz, etc.) dabei um möglichst viele verschiedene Infos zu bekommen.
  • In den wöchentlichen 1-to-1s gehe ich persönlich auf jeden ein und erkundige mich nach seinem Befinden.
  • Wenn ich das Gefühl bekomme, dass es jmd. nicht gut geht suche ich direkt den persönlichen Kontakt.
  • Ansonsten zeigt sich, dass Transparenz und Ehrlichkeit tolle Motivatoren sind.

3. Wenn die Zeit kommt, welche Aspekte / Elemente von dieser Periode würdest du gerne in den “normalen” Agenturalltag mitnehmen? 

Kathrin: 

  • Diese Zeit zeigt, wie effektiv arbeiten von zuhause aus ist. Oftmals kann man ungestörter arbeiten und ist viel effizienter als im Büro mit relativ "vielen" Ablenkungen. Daher bin ich sehr dafür, dass wir die HomeOffice-Regelung ausdehnen und Mitarbeiter immer ins HO gehen können werden, wenn sie das wollen. 

Ruben:

  • Arbeitsweisen fördern, die Effizienz und Wohlbefinden schaffen. Vertrauen unterstreichen, dass Menschen den Ort und den Moment finden, an dem sie sich inspiriert und produktiv fühlen. Daneben die Dynamik des Miteinanders und der Rücksichtnahme nähren und erhalten.

Sanja:

  • Wir müssen diese sehr enge Kommunikation unbedingt aufrechterhalten. 
  • Zweitens müssen wir das Gefühl der Zugehörigkeit zum Team bewahren und mitnehmen - und das Wissen, das man nur gemeinsam gewinnen kann.
  • Außerdem müssen wir flexibel bleiben - zum Beispiel beim Home-Office. 
  • Diese schwierige Situation hat uns gezeigt, wie gut wir auch dann arbeiten, wenn wir nicht im selben Raum sitzen. Diese positiven Erkenntnisse würde ich also auf den Posten mitnehmen - COVID19 Leben und Arbeiten.

Florian:

  • Aufgrund der Situation mit COVID-19 haben wir alle unsere Reports in Person beim Kunden vorgestellt. So konnten wir sicherstellen, dass unsere Ergebnisse richtig ankamen und verstanden wurden. Das Feedback innerhalb dieser Runden war sehr wertvoll. Das sollten wir weiter so machen.
  • Aufgrund der vielen Aufgaben haben wir angefangen Kundengrenzen aufzubrechen und jeder hat auf jedem Projekt gearbeitet. Hier sind tolle Insights und Ergebnisse entstanden, da Kollegen die diesen Kunden sonst nicht betreuen oft einen ganz anderen Blickwinkel haben. Auch das werde ich in Zukunft stärker forcieren.
  • Team-Arbeit ist das wichtigste und wird weiter gestärkt. So viele Themen welche in einem guten Team eine Rolle spielen, zahlen sich aktuell aus. Ich habe in der Vergangenheit hier viel investiert und werde es in Zukunft tun.

Was sind eure Erfahrungen mit dem Home Office? Haben wir was übersehen? Wir freuen uns auf einen Dialog!

Kontakt: sprichmituns@wearesocial.de