Die Welt verändert sich erheblich und Marketingverantwortlichen müssen die neue Landschaft verstehen und durch sie durch navigieren. Aktuell beschäftigen sich unsere Research & Insight-Teams aus der ganzen Welt mit verschiedenen Sektoren und Trends und teilen ihre Erkenntnisse. Hier untersucht unser Research & Insight Manager Tom Kreissl die Auswirkungen der Coronakrise auf Livestreaming-Plattformen wie Twitch.

Wie Twitch die Zuschauer anzieht - Live Streaming in der Coronakrise

Twitch, ein Live Streaming Portal im Besitz von Amazon, zieht in der Coronakrise immer mehr Zuschauer an. 2011 gegründet, verzeichnete es bereits in den letzten Jahren ein signifikantes Nutzerwachstum und scheint nun, in Zeiten von #stayathome und #socialdistancing weiterhin auf der Überholspur zu bleiben.

Twitch: Entwicklung der Zuschauerzahlen

Twitch Livestream COVID 19
Quelle: Statista

Im März schauten durchschnittlich 1.44M Zuschauer zeitgleich Inhalte auf der Streamingplattform (im Vergleich 1.26M im Jahr 2019). Twitch erlebt so in der Coronakrise ein Wachstum von 10%. Die angestiegenen Zahlen haben nicht nur mit steigenden Interesse an Gaming zu tun.

Quelle: Twitchtracker
Quelle: Twitchtracker

Wieso steigen die Streamingzahlen auf Twitch?

User nutzten primär Twitch um sich über Spiele zu informieren, professionellen Gamern zuzuschauen und sich unterhalten zu lassen. Da die meisten Streamer sehr authentisch sind können sich die Zuschauer gut mit ihnen identifizieren. Hinzu kommt die Tatsache dass die meisten Streamer mit ihren Zuschauern interagieren und Live Fragen beantworten oder Tipps geben können. In Zeiten von Corona, in der digitale Angebote immer beliebter werden, ist es nur logisch, dass Twitch vermehrt User anzieht.
Gewinner sind die Streamer, die so hohe Viewerzahlen haben, wie noch nie. Montana Black, der bereits vor der Krise als einer der größten deutschen Streamer galt, schaffte es im März, während er das neue Call of Duty Warzone streamte, auf 47000 Zuschauer und stellte damit einen neuen Zuschauerrekord auf.
HandOfBlood entschied sich während eines Live-Streams Ende März 2020 mit 20.000 Zuschauern die Haare abrasieren zu lassen.

Streamer HandOfBlood lässt während eines Twitch Live Streams die Haare abrasieren.
Streamer HandOfBlood lässt während eines Twitch Live Streams die Haare abrasieren.

Hochsaison auch für Entwickler

Auch die Spieleentwickler setzten auf das richtige Pferd und konnten in Zeiten von Corona indirekt von steigenden Streamingzahlen profitieren. In letzter Zeit erschienen Spiele, die entweder auf bestehende Hypes (Battle Royal Games alá Fortnite) aufspringen oder von bekannten Entwicklern veröffentlicht werden. So schaffen es Spiele wie COD Warzone und das von Riot Games (League of Legends) entwickelte Valoran zur rechten Zeit auf den Markt zu kommen. Dies sollte sich auch auf die Kauf- und Downloadzahlen der Spiele ausgewirkt haben.

Neue Twitch-Kategorien etablieren sich

Dass Twitch mehr ist als nur Gaming, zeigt sich in Zeiten von Corona vermehrt am Aufkommen von nicht gaming relevanten Streams.

Die Kategorie “Just Chatting” sonst von Streamern genutzt um mit ihren Followern zu kommunizieren oder Geschichten zu erzählen, schaffte es Anfang des Jahres 2020 zu wachsen. 
So findet auf Twitch vermehrt Content wie zum Beispiel Kochen, Sport und Konzerte statt. Live Lesungen von Autoren erfreuen sich ebenfalls großer Beliebtheit. Autor Saša Stanišić las zum Beispiel aus seinem Buch “Herkunft” vor und sammelte Spenden in Höhe von 17.000 Euro,

Der offizielle Twitch Live Stream Aid Ende März kam zeitweise auf 170.000 Viewer, hier traten unter anderem Joe Jonas, Jon Legend oder One Republic auf und konnten 2.8M$ Spendeneinnahmen für die WHO sammeln.

Mehr als nur Gaming

Die steigenden Anzahl der Viewer zeigt, dass Twitch sich nicht mehr nur auf Gamer konzentriert, sondern bereits in in andere Bereiche wie Sport oder Kultur vordringt.
Nicht gaming relevante Inhalte werden auf Twitch immer beliebter und können die Zukunft des Entertainment neu definieren. Es war noch nie so einfach wie heutzutage ein Streamingsetup aufzustellen und anfangen zu streamen.
Twitch selbst hat den aktuellen Trend bereits erkannt und unterstützt angehende Streamer indem sie Anleitungen und Tutorials bereitstellen.

Quelle Twitchtracker
Quelle: Twitchtracker

Zudem wurden neue Kategorien wie Twitch Music oder Twitch Sports ins Leben gerufen. Diese Vergrößerung des Portfolios spiegelt sich auch in den Zahlen der aktiven Kanäle auf der Plattform wieder.

Unser Fazit zu Twitch

In Zeiten von Social Distancing gewinnen Live-Inhalte immer weiter an Bedeutung. Streamer nutzen dies und bringen neben Gaming gesellschaftliche, kulturelle und sportliche Aktivitäten auf die Plattform. Dies bringt neue und vielfältige Werbemöglichkeiten für Unternehmen mit sich, die ihre Zielgruppe außerhalb des Gaming Kosmos suchen.

Sind vor der Coronakrise 55% der Twitch Viewer zwischen 18 und 34 Jahren alt und 81.5% männlich gewesen, können nun, durch neue Inhalte und Streamer, zusätzliche Wege gegangen werden um Werbungen zu schalten. Neben Banner- und Videoanzeigen können auch die Streamer selbst als Werbeplattform genutzt werden, was für jede Marke interessant sein dürfte.

Update:

Live Streaming in der Coronakrise - Facebook Gaming startet

Facebook reagiert auf den anhaltenden Boom der Streaming Plattformen und hat den Start seiner neuen Gaming App von Juni auf April 2020 vorgezogen. Android Nutzer kommen bereits seit letzter Woche in den Genuss der App, eine iOS Version soll in Kürze folgen. Facebook ermöglicht es nun den Nutzern selbst Inhalte in den Äther zu transportieren. Die App ist auf Mobile Gaming ausgelegt und wurde 18 Monaten in Lateinamerika und Südostasien getestet. Nach eigenen Angaben interagieren in dieser Zeit mehr als 700 MIllionen Menschen auf der neuen Plattform (fünf Millionen Downloads). 

Bereits im Jahr 2018 begann Facebook Live Gaming auf seiner Plattform zu implementieren und reihte sich im ersten Quartal des Jahres 2020 auf Platz 3 der beliebtesten Streaming Plattformen ein. So war der Konzern in der Lage 11 % Market Share zu ergattern, die Gesamtzahl der über Facebook gestreamten Stunden stieg im Vergleich zum letzten Quartal um 20,4 %.

Quelle: streamlabs

Mit dem Start einer eigenen App bietet Facebook den Usern nun Live-Inhalte (Streaming), eigene Möglichkeiten selbst zu streamen und Spiele zu kommentieren ohne dabei die Facebook App nutzen. Die neue App kann Facebook helfen, den weiteren Wachstum auf dem Markt der Streaming Plattformen zu positionieren sowie die Sichtbarkeit von eigenen Spielinhalten zu erhöhen. Zudem können neue Zielgruppen angesprochen werden die bis dato noch nichts mit der Facebook App anzutreffen waren, wie zum Beispiel jüngere Zielgruppen.

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